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Ist flexibles Arbeiten die Jeans der Management-Mode?

 
Als PDF herunterladen Innovative Arbeitsstile, HR-Trends und Managementinterventionen unterliegen genauso wie die Mode einer Wellenbewegung: erst hip and happening, aber dann in kürzester Zeit out of style. Ein Hype scheint aber so schnell nicht wieder zu verschwinden: flexibles Arbeiten.

Was genau bedeutet flexibles Arbeiten?

Wo Arbeit in industrialisierten Ländern jahrzehntelang von 09:00-17:00 im Büro stattfand, scheint das Arbeiten außerhalb der Bürowände und -zeiten schon seit einer Weile immer beliebter zu werden. Mehr als die Hälfte (Possenriede und Plantenga, 2014) der niederländischen Angestellten haben inzwischen ein flexibles Arrangement in ihren Arbeitsverträgen. Dies bedeutet, dass der Chef ihnen in irgendeiner Weise Freiheit bei Zeitpunkt, Ort und Dauer der Arbeit zugesteht. Hierbei wird die Situation des Arbeitnehmers berücksichtigt. Wohnt dieser zum Beispiel weit vom Büro entfernt, dann kann es ihm viel Fahrtzeit ersparen, wenn man den Arbeitnehmer mehrere Tage die Woche von zuhause aus arbeiten lässt; Zeit, die wieder in Produktivität und Effizienz umgewandelt werden kann.



Work-Life-Balance
Arbeitnehmer, die flexibel arbeiten können, berichten von einer höheren Arbeitszufriedenheit durch die gebotene Flexibilität (Possenriede und Plantenga, 2014). Das liegt daran, dass berufliche und private Aufgaben (wie zum Beispiel die Kinderbetreuung, aber auch die Pflege von Angehörigen) sich in der Theorie und oft auch in der Praxis besser miteinander vereinbaren lassen. Eine Studie von Bain & Company und Chief Executive Women (CEW) 2011 zeigte dabei, dass Frauen glauben, dass die Schaffung von Arbeitsmodellen, die Männer und Frauen bei ihren familiären Verpflichtungen unterstützen, ein wichtiger Faktor ist, damit mehr Frauen in höhere Positionen aufsteigen können. Bain & CEW (2015) stellten fest, dass der Frauenanteil in leitenden Positionen weniger als 15 % beträgt, trotzdem mehr Frauen als Männer ein Universitätsstudium abschließen.

Die Forscher stellten fest, dass dort, wo es heute zu häufig noch zu einem Abfluss weiblicher Arbeitskräfte um das dreißigste Lebensjahr herum kommt, Flexibilität bei der Arbeit für diese Gruppe eine Lösung sein kann. Eine Familie mit doppeltem Einkommen, wo sich dank flexibler Arbeitsmodelle beide Partner in gleichem Maße um Kinder und Eltern kümmern, ermöglicht es der Frau, weiter an ihrer Karriere zu arbeiten.

Welches sind die Probleme des flexiblen Arbeitens für Manager und Mitarbeiter?
Weniger Zeit im Büro zu verbringen ist häufig noch mit einem Tabu behaftet, auch wenn dies wiederholt mit Arbeitszufriedenheit und -produktivität in Zusammenhang gebracht wird. Dass der Arbeitnehmer nicht sichtbar ist, fühlt sich noch ungewohnt an und könnte für Verwirrung sorgen.

Ein Teil dieses Argwohns entstammt dem mangelnden Wissen darum, wie mit dem flexiblen Arbeitnehmer umzugehen ist. Dass Manager und Arbeitnehmer mit dieser modernen Einrichtung ringen, ist völlig normal, aber man kann auch darüber reden und die Menschen schulen.

Das größte Problem scheint aber zu sein, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen. Wenn Sie zuhause arbeiten, müssen Sie mit den beiden Welten zurechtkommen, die dort aufeinander treffen. Am Arbeitsplatz mit einem klaren Anfang und Ende zu arbeiten ist leichter zu bewältigen als zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten, also überall und nirgends. Ist der Arbeitnehmer dazu in der Lage, für sich selbst die Bedingungen zu schaffen, um leisten zu können?



Ein Büro bietet viele Funktionen, die die Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen. Ein durchschnittliches Wohnzimmer kann das nicht so gut. Denken Sie nur an Dinge wie richtige Beleuchtung, Stuhl, Tisch und Bildschirm. Gibt es genug Reize zuhause, um dort motiviert an die Arbeit zu gehen, oder gibt es davon zu wenig? Gibt es einen Ersatz für den Kollegen, der mal kurz auf ein Schwätzchen am Schreibtisch vorbeikommt? Machen Sie sich aus eigenem Antrieb Musik an, um sich aufzumuntern, wenn Sie mal nicht mit der Arbeit vorankommen? Können Sie den Haushalt warten lassen, um das Tageswerk richtig abzuschließen?

Fertigkeiten, um sich in den richtigen Arbeitsfluss zu bringen, wenn man nicht im Büro sitzt, lassen sich üben. Es klingt vernünftig, Mitarbeiter nicht auf einmal mit flexiblem Arbeiten zu überfallen, ohne dass sie vorher im Schaffen einer guten Arbeitsumgebung für sich selbst geschult wurden. Mit dem flexiblem Arbeiten experimentieren, über die Erfahrungen sprechen und die Arbeit schrittweise ausbauen, das klingt simpel, aber in der Praxis wird das oft noch nicht so gemacht. Dabei haben Sie als Arbeitgeber die Aufgabe, dem Arbeitnehmer Hard- und Software anzubieten, um an externen Orten verantwortlich arbeiten zu können. Und was halten Sie von einer Prüfung des alternativen Arbeitsplatzes?

Beim flexiblen Arbeiten tappt man oft in die Falle, dass dabei nur an Ergebnisse, Leistungen oder Endprodukte gedacht wird. Das kann zu viel Stress führen. Durch arbeiten in kurzen Zyklen beziehungsweise scrummen kann ein Manager mehr prozessorientierte Unterstützung und Würdigung bieten und so Druck vom Arbeitnehmer nehmen. Kommunikation im Verlauf des Tages, um den Arbeitsprozess mit allen seinen Hemmnissen besprechen zu können, ist sehr zu empfehlen.

Schlussfolgerung

Einige Modehypes trotzen der Vergänglichkeit und bleiben uns lange erhalten. Nehmen Sie z. B. die Jeans, die seit ihrem Erscheinen immer in Mode geblieben ist. Das Geheimnis ihres Erfolges? Die Jeans gibt es in allen möglichen Varianten und Größen. Für jeden gibt es die passende Passform: Weite Jeans, Skinny Jeans, Boyfriend Jeans, Mom Jeans ...

Für jede Person, für jede Situation, für jede Gelegenheit gibt es eine passende Jeans oder eben das passende, flexible Arrangement. In der Flexibilität scheint das Geheimnis für den langfristigen Erfolg des flexiblen Arbeitens zu liegen.  Die richtige „Passform“ wird durch das richtige Angebot ergonomischer Tools für jedes flexible Arrangement geschaffen.  Indem man als Arbeitgeber gut über die individuelle Situation und Präferenzen informiert ist und diese auch berücksichtigt, kann man dem Mitarbeiter die passende Hardware und Software anbieten. Wenn ein Mitarbeiter zu Hause oder an einem alternativen Standort bewusst ergonomisch arbeitet und darin gecoacht wird, seine Pausen einzuhalten sowie sitzende und stehende Tätigkeiten abzuwechseln, wird dieser Mitarbeiter auch während der flexiblen Arbeitszeiten bewusst und mit optimaler Konzentration im Flow gute Leistungen erzielen können. 

Das Finden der passenden, flexiblen und ergonomischen „Passform“ könnte eine Chancengleichheit hervorbringen, die den Gender Gap in Führungspositionen verringert und wodurch sich in Zukunft weitaus diversere Führungsteams bilden können. Außerdem wird auf diese Weise die Arbeitszufriedenheit gesteigert und Familien profitieren von einer optimalen Work-Life-Balance. Bei all diesen Vorteilen und den praktischen Ansätzen im Umgang mit möglichen Problemen ist zu hoffen, dass sich das flexible Arbeiten nicht als kurzfristige Modeerscheinung erweisen wird, sondern sich sozusagen als die Jeans unter den Management-Trends beweist.
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