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Was macht das Arbeiten im Homeoffice mit unserem Gehirn?

Im September 2020 haben wir ein Webinar mit Dr. Erik Matser, klinischer Neuropsychologe, über die Auswirkungen von Heimarbeit auf unser Gehirn veranstaltet. Unser Gespräch mit ihm führte uns zu den Themen Lächeln, Schlaf und dem 4-Stunden-Arbeitstag, bis hin zu der Frage, warum Bewegung so gut für uns ist.  
Die neue Normalität
Ist das jetzt das neue Normal? 4 bis 5 Tage in der Woche zu Hause arbeiten. Drei Stunden am Tag Videotelefonie. Wenig oder kein sozialer Kontakt mit Kollegen. Mit dem Laptop am Küchentisch sitzen, während die Anzahl der Bildschirmstunden exponentiell ansteigt.  

Mehrere wissenschaftliche Studien1 zeigen, dass viele Menschen heute gestresst und müde sind. Unser Gehirn ist buchstäblich erschöpft und ist nicht mehr so flexibel. Die Folge:  Die Menschen werden reizbarer, können sich schlechter konzentrieren und werden vergesslich. All dies hat einen großen Einfluss auf unsere geistige und körperliche Verfassung. 

Die ausgebrannten HeimarbeiterInnen
Im Frühjahr 2020 musste die große Mehrheit der Gesellschaft plötzlich im Homeoffice arbeiten. In aller Eile wurden Arbeitsplätze zu Hause eingerichtet, Laptops ausgeteilt und eine digitale Meeting-Umgebung geschaffen. Natürlich gibt es Menschen, die einen gut ausgestatteten Arbeitsplatz zu Hause haben, ihr Privatleben mit der Arbeit vereinbaren können und kein Problem damit haben, die Zusammenarbeit mit den Kollegen online über Teams oder andere Tools zu erledigen. Andere HeimarbeiterInnen hingegen fühlen sich lethargisch und müde. Sie sind körperlich und geistig erschöpft. Sie arbeiten länger, können die Arbeitstür nicht hinter sich schließen und isolieren sich bei Bedarf nicht gut genug von Familie und Arbeit. Wie kommt es, dass wir überstimuliert werden? Welche Rolle spielt unser Gehirn dabei? 
Kognitiv aktiv
Der Mensch ist eigentlich nur für vier Stunden kognitive Aktivität pro Tag gemacht. Wir haben also nur vier Stunden konzentrierter Denkkapazität pro Tag zur Verfügung. Das hat zur Folge, dass wir unser Denkvermögen überstrapazieren, wenn wir acht Stunden am Tag fokussiert arbeiten und im Homeoffice vielleicht sogar länger. Zudem führen wir die meisten Denkprozesse im Sitzen aus, obwohl es ratsam wäre sich mehr zu bewegen.  

Dr. Eric Matser weiß, dass durch Lächeln unser Gehirn ein positives Signal bekommt und leistungsfähiger wird. Während wir lächeln, lernen wir leichter und schneller und merken uns die aufgenommenen Informationen deutlich besser. Außerdem beugt Lächeln Burnout vor und steigert unsere Kreativität. Gleichermaßen ist ein erholsamer Schlaf für unser Wohlbefinden wichtig. 
 
Wer Burnout verhindern oder bestehende Symptome lindern möchte, sollte also unbedingt ausreichend schlafen. Glückliche Menschen werden weniger krank, da das Immunsystem ganz anders arbeitet als bei Menschen, bei denen der Akku leer ist, so Matser. Er plädiert dafür, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht nur ausschließlich Gespräche über den Arbeitsinhalt führen, sondern auch über das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeiter. Denn wer zufrieden ist, arbeitet produktiver. 
Das Arbeitsgedächtnis in unserem Gehirn
Das Arbeitsgedächtnis ist entscheidend für die Lösung von komplexeren Aufgaben. Funktionsgemäß ist unser Arbeitsgedächtnis ein Bestandteil unseres Erinnerungsvermögens. So werden alle Informationen, die wir aus unserer Umwelt empfangen, in diesem Teil unseres Gehirns vorübergehend gespeichert. Wir erstellen automatisch aus diesen Informationen, die wir empfangen, eine mentale und eigene Repräsentation. Diese geistige Repräsentation hilft uns dabei Probleme zu lösen, zu logischen Schlussfolgerungen zu gelangen, neues Wissen zu erlernen und Ziele zu formulieren und abzuwägen. Das ist die Interaktion mit unserer Arbeitsumgebung, so Matser. So bringen wir Qualität in unseren Arbeitsprozess. Das Gehirn empfängt gerne Informationen von außen, anstatt selbst darüber nachdenken zu müssen. Laut Eric Matser ist es wichtig, eine digitale Welt zu schaffen, in der wir die Informationen von außen mit unseren eigenen Werten bereichern.  

Ebenfalls sollten wir verhindern, dass wir kognitiv überstimuliert werden, da wir nur vier Stunden pro Tag aktiv denken können. Wenn diese Kapazität überschritten wird und die Arbeitsbelastung zu groß wird, setzt im Gehirn ein Prozess ein, bei dem Stresshormone ausgeschüttet werden. Die Belastungsgrenze der Arbeitnehmer sollte also die 99 % Marke nicht überschreiten. Alles was darunter liegt, führt zu gesunden und geistig fitten Mitarbeitern. Sobald diese Belastungsgrenze überschritten wird, egal ob 101% oder 360%, reagiert das Gehirn und schüttet Stresshormone aus. Zwar ist eine kleine Menge an Stresshormonen nicht schlimm, aber eine andauernde Überstimulation führt zu Konzentrationseinbußen, Muskelschmerzen und das Energiesystem läuft leer. Der Körper ist dann über die Belastungsgrenze hinausgegangen und erschöpft.  
Fazit: Arbeiten im Homeoffice
Die Arbeit im Homeoffice scheint auf den ersten Blick bequem und mühelos zu sein. Aber man sollte die Mitarbeiter nicht einfach mit einem Laptop ausgestattet nach Hause schicken und das war‘s. Ideal für die Mitarbeiter wäre eine Kombination aus geistiger Aktivität und Bewegung. Daher sollten kleine Bewegungsabläufe bei der Arbeit im Homeoffice integriert werden. Es muss dafür gesorgt werden, dass der Arbeitsplatz zu Hause die folgenden Ansprüche erfüllt: 
  • Gute digitale Möglichkeiten zur Kommunikation (technische Anforderungen sind erfüllt). 
  • Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz. 
  • Ein Wechsel von kognitiven Denkprozessen und Bewegung. 
  • Wie hoch ist die Arbeitsbelastung? Kein Überschreiten der Belastungsgrenze. 
Quellen
  1. https://www.eoswetenschap.eu/psyche-brein/thuiswerken-verhoogt-werkdruk-en-stress
  2. Webinar Eric Matser, september 2020



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