Wählen Sie Ihre Region

Username:

Password:

Die Auswirkung von Licht auf die Leistungsfähigkeit


Als PDF herunterladen

Die Parallele zwischen Astronauten und Büroarbeitern

Es ist allgemein bekannt, dass Licht sich auf unser Wohlbefinden auswirkt. Nordeuropäer leiden im Allgemeinen häufiger als Mitteleuropäer an Phänomenen wie z.B. der Winterdepression. Dieser Unterschied lässt sich anhand der Anzahl der Tageslichtstunden erklären; im Winter hat eine Stadt wie Reykjavik manchmal weniger als fünf Lichtstunden pro Tag. Lichttherapie zur Verbesserung des Gemütszustands ist in diesen nördlichen Regionen inzwischen eine allgemein akzeptierte Intervention. Aber, dass Licht nicht nur Auswirkungen auf unsere Laune, sondern auch auf unsere Leistungsfähigkeit hat, ist für viele Menschen noch neu, und erst recht, dass Arbeitgeber adäquat damit umgehen.


Astronauten, Licht und Leistungsfähigkeit

Studien mit Astronauten von NASA (Flynn-Evans et al. 2016) zeigten, dass Astronauten, die sich längere Zeit im Weltraum aufhielten, durchschnittlich sechs Stunden pro Nacht schlafen, im Vergleich zu den standardmäßig empfohlenen sieben Stunden. Ein Mangel an einem „irdischen“ Verlauf des Tageslichtes trägt zu einer Störung des menschlichen Biorhythmus bei. Zudem zeigte eine frühere Studie mit Spaceshuttle-Astronauten auf, dass die Veränderung des Schlaf-Wach-Rhythmus mit einer Verschlechterung des kognitiven Funktionierens einherging. Van Dijk et al. (2001) verglichen die kognitive Leistungsfähigkeit vor, während und nach der Weltraumreise und zeigten auf, dass Astronauten während der Weltraumreise in psychomotorischen, Gedächtnis- und Rechenaufgaben schlechter abschnitten. Die Forscher brachten diese Erkenntnisse mit Messungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und dem damit zusammenhängenden hormonalen Gleichgewicht in Zusammenhang. Sie schlussfolgerten, dass durch die Anpassungen des Schlaf-Wach-Rhythmus aufgrund komplizierter Hell-Dunkel-Zyklen im Weltraum die Schlafqualität und kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wurden.

Dynamischer Charakter des natürlichen Lichts

Die Intensität und Wellenlänge des irdischen Lichts ändert sich im Laufe des Tages auf dynamische Art und Weise. Das erkennen wir an einer Veränderung der Farbe des Lichts: wo das Licht am Morgen einen bläulichen Ton hat (kurze Wellenlänge, starke Intensität), wird es gegen Abend rot (längere Wellenlänge, mäßigere Intensität).
Abbildung 1. Die blaue Luft beim Sonnenaufgang, im Vergleich zur roten Luft eines Sonnenuntergangs, signalisieren der Zirbeldrüse (Epiphyse), einerseits mehr Cortisol zu produzieren und andererseits die Produktion von Melatonin zu stimulieren. Le ciel bleu du lever de soleil, et le ciel plus rouge du coucher de soleil, stimulent la glande pinéale (épiphyse) à produire respectivement plus de cortisol, ou plus de mélatonine.

Dieses dynamische Licht gelangt über das Auge in unseren Körper und wird über den Augennerv zu den Bereichen im Hirn gesendet, die für die Hormonproduktion verantwortlich sind. Wenn blaues Licht (aus Sonnenlicht oder Kunstlicht, Fernseher oder Monitor) vorhanden ist, wird die Produktion von Cortisol stimuliert und die Produktion des ‚Schlafhormons‘ Melatonin gehemmt. Wenn der Körper dem blauen Licht weniger ausgesetzt ist, wird die natürliche Produktion von Melatonin in Gang gesetzt. Dies ist das Signal an den Körper, langsam zur Ruhe zu kommen.

Cortisol
Cortisol wird auch als Stresshormon bezeichnet. Cortisol bewirkt, dass Proteine in Muskeln abgebaut werden, wobei Aminosäuren freigesetzt werden, die wiederum Energie (Glukose) freisetzen. Die Produktion von Cortisol im Körper folgt dem Schlaf-Wach-Rhythmus – im Laufe des Tages ändert sich die Produktionsrate. Morgens wird mehr Cortisol freigesetzt als abends.

Melatonin
Melatonin wird auch als Schlafhormon bezeichnet. Die Produktion dieses Hormons in der Zirbeldrüse steht in direktem Zusammenhang mit der Lichtaussetzung. Durch blaues Licht aus Kunstlicht, Bildschirmlicht oder Sonnenlicht nimmt die Produktion von Melatonin ab. Wenn die Intensität des Lichts abnimmt und es dunkel wird, wird die Produktion von Melatonin wieder in Gang gesetzt.

Ein korrektes Hormongleichgewicht ist wesentlich für die Leistungsfähigkeit. Eine frühere Studie (Kleitman, 1933) zeigt auf, dass Variationen der Leistungsfähigkeit im Laufe des Tages denselben Verlauf zeigen wie die Cortisol-Kurve bei einem normalen Tag-Nacht-Rhythmus (siehe Abb. 2). Cortisol wird morgens schnell aufgebaut und erreicht gegen Mittag Spitzenproduktion. Im weiteren Verlauf des Tages nimmt es dann allmählich ab. Die Forscher untersuchten u. A. kognitive Fähigkeiten wie z.B. Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit bei bestimmten Aufgaben. Man denke dabei z.B. an die Geschwindigkeit, mit der man Karten geben und auswählen, multiplizieren und Codes entschlüsseln kann. Was stellte sich heraus? Die unterschiedlichen kognitiven Leistungen verlaufen nahezu parallel zu den physiologischen Faktoren wie z.B. Körpertemperatur und Puls, auch wenn man die Durchschnittswerte von zwanzig Tagen nimmt.



Abbildung 2. Körpertemperatur und Puls weisen ähnliche Zu- und Abnahmekurven auf wie die Kurve der Geschwindigkeit, mit der jemand Karten gibt und sortiert, Codes entschlüsselt und Multiplikationen durchführen kann. Auch für Durchschnittswerte von 20 Tagen ist diese Tendenz noch zu erkennen. Diese Kurven sind auch mit der Cortisol-Produktion im Laufe des Tages in Übereinstimmung. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass der Biorhythmus und die Leistungsfähigkeit einen starken Zusammenhang aufweisen und relativ stabil sind.



Abbildung 3 Licht gelangt über die Netzhaut in den Körper und gibt Signale an die Zirbeldrüse ab. Unterschiedliche Wellenlängen bewirken Veränderungen der Hormonausscheidungen. Diese Unterschiede in Bezug auf die Hormonausscheidung wirken sich wiederum auf die kognitiven Fähigkeiten, den Gemütszustand, das Gedächtnis sowie unseren circadianen Rhythmus aus.

Büroarbeiter sind durchaus mit Astronauten zu vergleichen

Büroarbeiter funktionieren nahezu ebenso unnatürlich wie Astronauten. Der Körper eines Büroarbeiters wird schließlich viele Stunden des Tages durch alle möglichen künstlichen Signale in die Irre geführt. Das Licht, das über das Auge aufgenommen wird, stammt nur noch selten von der Sonne. Lampen, Computerbildschirme und Fernsehschirme sind die wichtigsten Lichtquellen.

Wenn wir übermäßig viel Bildschirmlicht aufnehmen, ist es schwieriger, einzuschlafen. Die Ursache? Diese Bildschirme senden häufig Wellenlängen, die dem blauen Spektrum angehören und stören bei lang andauernder Aussetzung das Hormongleichgewicht; es gelangt dann zu viel Cortisol ins Blut und die Produktion von Melatonin wird gehemmt. Obwohl Arbeitgeber immer mehr in Interventionen zur Optimierung der Leistungsfähigkeit auf der Arbeit investieren, ist eine adäquate Beleuchtung für viele Organisationen noch ein brachliegender Bereich. TL-Beleuchtung mit statischem blauweißem Licht ist auf der Arbeit häufig mehr die Regel als die Ausnahme.


Dynamisches Licht zur Förderung der Leistungsfähigkeit

Astronauten verspüren aufgrund von Veränderungen der Lichtaussetzung eine Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit und des Gemütszustands. Für Büroarbeiter gilt dasselbe; sie können langfristig mit denselben Phänomenen konfrontiert werden. Stundenlange Blaulichtaussetzung und ein Mangel an natürlichem Licht kann den Biorhythmus verschieben, was auf lange Sicht zur Störungen der kognitiven Leistungsfähigkeit und des Gemütszustands führen kann. Im Hinblick auf eine dauerhafte Einsetzbarkeit ist es unerlässlich, dass die Mitarbeiter innerhalb der Bürozeiten dynamischem Licht ausgesetzt werden. Welche Maßnahmen kann man ergreifen, um den negativen Auswirkungen des Kunst- und Bildschirmlichts und den Mangel an natürlichem Licht auf unseren Biorhythmus entgegenzuwirken?



Pausen an der frischen Luft haben eine günstige Auswirkung auf unseren Biorhythmus und sollten auf der Arbeit mehr stimuliert werden. Kein Kunstlicht ist so stark wie natürliches Licht; Büros werden durchschnittlich mit einer Intensität zwischen 300-500 Lux beleuchtet, dahingegen kann natürliches Licht an einem klaren Tag eine Lichtintensität von 125.000 Lux erreichen kann. Die natürliche Lichteinnahme tagsüber steigern; geben Sie Ihrem Biorhythmus Hinweise bezüglich der Tageszeit, sodass das Hormongleichgewicht in Ordnung gebracht werden kann.

Es gibt auch unterschiedliche Software-Tools, u. A. Work en Move, die Arbeitnehmer dabei unterstützen, Ihre Arbeit zu unterbrechen und gezielte Bewegungs- und Erholungspausen einzulegen. Das sind praktische Tools, die für die erforderliche mentale und körperliche Entspannung sorgen.

Keine Zeit für eine Pause?
Durch Fenster erreicht das natürliche Licht auch unsere Netzhaut. Es ist also sinnvoll, Arbeitsplätze nahe an Fenstern einzurichten und derartige Arbeitsplätze immer den nur mit Kunstlicht beleuchteten Arbeitsplätzen vorzuziehen.

Außerdem gibt es inzwischen alle möglichen Lösungen, um Störungen des Biorhythmus durch Bildschirmlicht vorzubeugen. Die Applikation F.lux besteht beispielsweise bereits seit längerem. F.lux ist eine kostenlos downloadbare Applikation. Die App lässt Sie einen Standort eingeben und passt daraufhin das Licht Ihres Bildschirms der Tageszeit an Ihrem Längen- und Breitengrad an. Die natürliche Variation von blauem zu rotem Licht wird am Bildschirm allmählich angepasst.

Zusammenfassend

Im Hinblick auf eine dauerhafte Einsetzbarkeit ist es unerlässlich, dass die Mitarbeiter innerhalb der Bürozeiten dynamischem Licht ausgesetzt werden. Um Büroarbeiter
bessere Leistungen erbringen zu lassen, ist es wichtig, indem man mehr natürliches Licht am Arbeitsplatz schafft.



Myrthe van Stralen
Senior Consultant | Research and Development
BakkerElkhuizen (onderdeel van Office Athletes)


Als PDF herunterladen
Registrieren Sie sich jetzt einmalig, um diesen Wissensbeitrag herunterzuladen.

Wussten Sie schon, dass Sie unsere Wissensbeiträge herunterladen können?

Sie brauchen sich nur einmal zu registrieren, um freien Zugang zu allen Downloads zu erhalten!
Bereits registriert?
E-Mail / Benutzername
Kennwort
Ich habe noch kein Konto?
Registrieren
Registrieren Sie sich jetzt einmalig, um diesen Wissensbeitrag herunterzuladen.

Wussten Sie schon, dass Sie unsere Wissensbeiträge herunterladen können?

Sie brauchen sich nur einmal zu registrieren, um freien Zugang zu allen Downloads zu erhalten!
Vorname
Insertion
Nachname
E-Mail
Kennwort
Please enter your email address and you will receive a new password within a few moments
E-Mail

Weitere Informationen

Name *
Firma
Postleitzahl
Telefon
E-Mail *
Nachricht *
Felder mit (*) sind Pflichtfelder
view catalog onlineOnlinekatalog einsehen download pdf catalogKatalog herunterladen